Umgeben von Tabletcomputern, Smartphones und künstlicher Intelligenz glauben wir mit unseren Vorfahren aus der Steinzeit nicht mehr viel gemeinsam zu haben. Von der Mammutjagd in die Managementetage ist es evolutionsbiologisch erstaunlicherweise aber nur ein kleiner Schritt. Und den hat unser Gehirn noch nicht einmal ganz vollzogen, denn in mancherlei Hinsicht funktioniert es noch immer im „Steinzeit-Modus“.

Storytelling in Präsentationen:
Warum Sie Ihre Zuhörer auf die Mammutjagd schicken sollten.

Ob, wann, wo und warum der Umsatz gestiegen oder gefallen ist, mag noch so relevant für uns sein, das Gehirn möchte immer noch lieber wissen, wie wir das Mammut am schnellsten erlegen oder wie wir dem Säbelzahntiger entkommen können.

Und wie erfahren wir das? Durch die Geschichten, die wir am Lagerfeuer hören.

Durch sie erhalten wir Lektionen, die für das (Über-)Leben wichtig sind. Auch wenn wir nur noch selten wirklich am Lagerfeuer sitzen und noch weit seltener mit Raubtieren konfrontiert sind, ist das für unser Gehirn immer noch wichtig. Dadurch wird das eine als interessant wahrgenommen und das andere eben nicht. Wer dieses Prinzip kennt, kann es sich zunutze machen.

Wie? Indem er die Präsentation zum Lagerfeuer macht und dort eine Geschichte erzählt. Das Zauberwort lautet „Storytelling“.

Fakten bleiben ohne Emotionen auf der Strecke:
Kinofilm vs. PowerPoint-Präsentation

Heute leben wir in einer Welt, in der gute Kommunikation und Informationsvermittlung wichtiger sind denn je. Und Präsentationen sind ein beliebtes Mittel dazu. Leider wird dabei in den meisten Fällen viel erzählt und nur wenig kommt wirklich an. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie fokussiert unser Gehirn eigentlich arbeiten kann.

Denken Sie zum Beispiel einmal an den letzten Film, der Sie so richtig gefesselt hat. Sie waren in die Handlung vertieft. Vielleicht ging der Puls sogar etwas hoch, als der Mörder das Opfer verfolgte oder der Held kurz vor der Niederlage seine letzte Chance bekam. Es war unheimlich wichtig zu erfahren, wie es jetzt weitergeht. Und dass, obwohl das ganze reine Fiktion war und mit Ihrer Lebensrealität vermutlich nicht das Geringste zu tun hatte.

Und jetzt denken Sie an Präsentationen, die Sie vielleicht in letzter Zeit verfolgt haben. Vermutlich sah die Situation hier anders aus. Obwohl das was hier geschah mit Ihrer Lebensrealität weit mehr zu tun hatte, ja vielleicht sogar sehr wichtig für Sie war, fiel es schwer bei der Sache zu bleiben.

Woran liegt das? Selbst wenn der Inhalt noch so wissenswert ist, unser Steinzeitgehirn macht uns einen Strich durch die Rechnung. Hier kommen die Inhalte oft gar nicht erst an der „Türsteherin“ vorbei. Die Türsteherin heißt in diesem Fall Amyg­da­la und ist jener Teil unseres Gehirns, der prüft, ob Informationen relevant für uns sind und ob sie im Gehirn weiter geleitet und gespeichert werden sollten. Die Amyg­da­la bewertet Informationen aber nicht auf logischer und sachlicher, sondern auf emotionaler Ebene.

Sie möchte eine gute Geschichte hören. Nur dann ist die Information für sie interessant und das Gehirn bleibt bei der Sache. Wer Fakten transportieren will, sollte sie also an Emotionen binden. Und wer erfolgreich präsentieren will, sollte sich als Geschichtenerzähler versuchen.

Experimente der Stanford University haben gezeigt,
dass wir uns 22 mal besser an Geschichten als an Fakten
erinnern und dass sie sich mindestens doppelt so
erfolgreich vermarkten lassen.

Geschichten erzählen für das Steinzeit-Gehirn:
Wenn das Konkurrenzunternehmen zum Säbelzahntiger wird.

Die aktuellen Umsatzzahlen zu einer spannenden Lagerfeuer-Geschichte zu machen ist nicht so schwer, wie es vielleicht zunächst klingt.

Die meisten Geschichten bauen auf einem bestimmten Schema auf.

1. Ausgangssituation:

Es beginnt mit einer Ausgangssituation. Wir lernen das Setting und die Protagonisten kennen, ihre Wünsche, ihre Ziele, ihren Charakter.

2. Handlung

Dann entwickelt sich die Handlung. Es gibt eine Krise, ein Problem, eine Mission und vielleicht auch den ein oder anderen bösen Gegenspieler. Es gilt zu kämpfen und Opfer zu bringen, damit die Welt gerettet, das Mädchen erobert oder die Schlacht gewonnen werden kann.

3. Finale

Am Ende wartet der Triumph oder aber, falls die Bemühungen scheitern, das Desaster.

Dieses Schema des Geschichtenerzählens lässt sich durchaus auch auf weniger spektakuläre Zusammenhänge übertragen. Mit ein wenig Arbeit und Kreativität wird die aktuelle Lage des Unternehmens zur Ausgangssituation. Die Mitarbeiter, Konkurrenten und Kunden werden zu Helden, Gegenspielern und Beute. Die Führung am Markt zu erobern wird zur großen Mission. Gelingt das, winkt der Unternehmenserfolg, der selbstverständlich auch für die Mitarbeiter ein lohnenswerter Triumph sein wird. Also auf ins Abenteuer!

Eine so strukturierte Geschichte entwickelt eine ganz andere Wirkung als eine bloße Abhandlung der Unternehmenszahlen mit der schnöden Schlussfolgerung, dass es besser laufen könnte und mehr Anstrengungen nötig sind.

Gutes Storytelling mit PowerPoint:
der Autor gibt die Richtung vor

Mit guten Storytelling Präsentationen steigern Sie nicht nur Aufmerksamkeit und Interesse an Ihrem Vortrag. Sie lenken auch die Wahrnehmung Ihrer Zuhörer in die gewünschte Richtung. Und das kann durchaus entscheidend sein. Menschen mögen Geschichten, weil sie Erklärungen und Zusammenhänge bieten. Fehlen diese, neigen wir dazu, sie selbst zu konstruieren.

Ein gutes Beispiel dafür sind Verschwörungstheorien. Gerade in unsicheren Zeiten haben sie Hochkonjunktur, denn sie bieten verständliche Erklärungen für Unverständliches, einfache Lösungen für komplexe Probleme und gern auch mal ein klar definiertes Feindbild – eben einfach eine gute, klare Geschichte. Wie absurd diese vielleicht ist, spielt dabei kaum eine Rolle.

Solche Theorien entstehen nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen, in den Gedanken eines Einzelnen oder als neuester Klatsch in der Kaffeeküche des Unternehmens.

Storytelling in Präsentationen

Für Präsentationen kann das bedeuten: werden nur Fakten geliefert, reimen sich die Zuhörer die passende Geschichte dazu selbst zusammen. Wie und warum, Gut und Böse, Anfang und Ende werden erdacht, wenn sie nicht vorgegeben sind.

Die nötige Umstrukturierung der Abteilung wird dann vielleicht als hinterhältiger Stellenabbau interpretiert und die neue Verkaufsstrategie als Kritik am bisherigen Vorgehen. Statt Motivation, Zusammenarbeit und Unterstützung, ernten Sie auf diese Weise also vielleicht das genaue Gegenteil. Wer zu viel der Interpretation überlässt, gibt damit das Ruder aus der Hand, wer hingegen eine Story entwirft, kann mitreißen und die Richtung vorgeben.

Eine Geschichte ist nur so gut wie ihr Erzähler

Wer auf Storytelling Präsentationen setzt, sollte immer auch seine eigene Rolle im Blick haben. Die eigene Erfahrung und Motivation qua­li­fi­zieren erst dazu, die Richtung vorzugeben. Sie machen glaub­wür­dig­ und vertrauenswürdig. Erzählen Sie also nicht nur eine Geschichte, sondern IHRE Geschichte.

  • Woher wissen Sie, wie sich das Mammut erlegen lässt?
  • Welche Erfahrung haben Sie mit Säbelzahntigern?
  • Und warum wollen Sie überhaupt auf die Jagd gehen?
  • Oder mit anderen Worten: Warum sollte man Ihnen Ihre Geschichte abkaufen?

Glaubwürdigkeit erfordert dabei auch immer eine gewisse Leidenschaft. Der Inhalt kann noch so geschickt verpackt werden, wenn er zu einer Text-Wüste verkommt, die lustlos abgelesen wird, verpufft die Wirkung. Wer eine Geschichte für sich arbeiten lassen will, muss hinter dieser Geschichte stehen und das auch im Vortrag zeigen. Das liegt sicher nicht jedem im Blut, lässt sich aber lernen.

Von den Besten lernen

Und nachahmenswerte Beispiele für erfolgreiches Storytelling gibt es viele: Steve Jobs, Barack Obama, Elon Musk – sie alle begeisterten oder begeistern durch ihre Vorträge und setzten dabei immer gern auf Storytelling. Ja sogar Donald Trump, dessen Äußerungen nicht gerade als intellektuell anspruchsvoll gelten, verkaufte seinen Anhängern erfolgreich die Story von der Mauer gegen Migranten als Lösung für alle Probleme Amerikas.

Storytelling mit PowerPoint kann in nahezu jedem Setting funktionieren und geschickt angewandt ein Publikum begeistern und fesseln, statt es einmal mehr zu langweilen. Oder, um es mit den Worten des argentinischen Autors Jorge Bucay auszudrücken:

„Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen
– Erwachsenen, damit sie aufwachen“.