Unter Versalien verstehen wir die GROSSBUCHSTABEN des Alphabets. Eine der großen Fragen im Text-Design und -Layout lautet: Warum werden Versalien so häufig in Präsentationen verwendet, um Wichtiges hervorzuheben?

Die ursprüngliche Bedeutung von Großbuchstaben als Hervorhebungsmittel geht leider vielfach durch zu großzügigen Gebrauch verloren. Doch was genau ist so problematisch an Versalien in Präsentationen und wann kann der Gebrauch doch sinnvoll sein? Hier finden Sie die Antworten:
 

Großbuchstaben in PowerPoint können problematisch sein

Bei PowerPoint-Präsentationen gilt, dass Visualisierungen nicht vom Inhalt ablenken, sondern diesen verstärken sollten. Somit kann Ihnen Ihr Publikum besser folgen.
Sicherlich können Versalien für kurze Folienüberschriften, die ein Thema einleiten absolut hilfreich sein. Hier haben Sie gegebenenfalls sogar einen Vorteil für die Aufmerksamkeit der Leser. Doch in längeren Textabschnitten sind Großbuchstaben ein absolutes No-Go, da diese die Lesbarkeit erschweren können.
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Gestaltungsregeln von Schriftsetzern zum Vorbild

Nicht umsonst lautet eine uralte Setzer-Gestaltungsregel: „Nimmst Du Versalien, musst du sperren!“ Das bedeutet im Klartext nichts anderes, als dass Sie den Zwischenraum zwischen den einzelnen Buchstaben vergrößern sollten. Versalien verfließen wesentlich regelmäßiger als Kleinbuchstaben und wirken im Fließtext sowohl unausgeglichen als auch unruhig. Das „ß“ muss – genau wie bei den Kapitälchen – durch „SS“ ersetzt werden.
Das „Sperren“ muss auf künstliche Weise erfolgen, denn normale Großbuchstaben im regulären Schriftsatz sind nicht für die Aneinanderreihung mit anderen Großbuchstaben vorgesehen. Das ist eine eindeutige Schwachstelle der typischen Office-Programme wie Word und PowerPoint, die für den Einsatz von Versalien nicht ausgelegt sind.


In Präsentationen Großbuchstaben sparsam einsetzen

Betrachten Sie Großbuchstaben als Stilmittel, das Sie in Maßen und an den richtigen Stellen einsetzen. Sie können damit effektiv wichtige Begriffe betonen oder markante Aussagen unterstreichen. In Präsentationen sollten Sie die Verwendung von Großbuchstaben auf Titelfolien und Überschriften beschränken.
Warum in Präsentationen Versalien vermieden werden sollten, hat zwei wesentliche Gründe. Zum einen signalisieren Großbuchstaben z.B. im Internet das Herausschreien eines Wortes. Wer übermäßig Großbuchstaben verwendet, erweckt schnell den Eindruck, als sei er aggressiv oder als wolle er seine Aussagen förmlich im Text herausbrüllen. Zum anderen sind Großbuchstaben nicht für die Nutzung in längeren Sätzen geeignet.


Was ist der Unterschied zwischen Versalien und Kapitälchen?

Unter Kapitälchen versteht man Kleinbuchstaben in der Form von Großbuchstaben. Klassischerweise werden sie verwendet, um wichtige Namen, wie zum Beispiel die von bedeutenden Persönlichkeiten hervorzuheben. Im Vergleich zu Versalien sind Kapitälchen in ihrer Auszeichnung leiser und fügen sich besser in den Text ein. Kapitälchen sind kleine Versalien, die allgemein etwas edler und eleganter wirken, aber dennoch wesentlich schlechter zu lesen sind. Außerdem sind sie etwas breiter als verkleinerte Versalien.


Lesbarkeit hat Vorrang!

In PowerPoint-Präsentationen zu viele Großbuchstaben zu verwenden geht daher meist auf Kosten der Lesbarkeit. Zunächst sollten Sie sich fragen, was Sie mit Ihrer ausgewählten Schriftart erreichen möchten und welches Ziel Sie dabei verfolgen. Damit die Aufmerksamkeit Ihres Lesers nicht schwindet, sollte das Leseempfinden an oberster Stelle stehen.
Wenn Sie einen Text verfassen, dann normalerweise zu dem Zweck, dass dieser anschließend eine gute Lesbarkeit aufweist und somit zu einem entspannten Leseerlebnis beiträgt. Wenn möglich sollte der Text auf einen Blick leicht zu erfassen sein.
Vielleicht haben Sie es selbst schon einmal erlebt, dass gerade bei textlastigen PowerPoint-Präsentationen die Augen leicht irritiert werden können bzw. die Inhalte schwierig lesbar sind. Gleichzeitig möchten Sie nicht die Aufmerksamkeit Ihres Publikums verspielen.
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Die korrekte Groß- und Kleinschreibung

In der deutschen Schriftsprache werden Wörter, die am Satzanfang stehen sowie Nomen, Personen- und Eigennamen laut der korrekten Rechtschreibung großgeschrieben. Andere Wörter wie Verben, Pronomen, Konjunktionen oder Adjektive schreiben wir klein. Das Gehirn weiß um diese Schreibweisen, sodass es ihm leichter fällt, Nomen von Verben zu unterscheiden.
Dadurch entsteht ein angenehmer Lesefluss und der Satzanfang wird bereits durch den großen Anfangsbuchstaben erkennbar. Bedenken Sie, dass Ihr Gehirn innerhalb von Millisekunden den Prozess der Erkennung von Wörtern und der jeweiligen Sinnbildung abgeschlossen hat.
Voraussetzung dafür ist, dass die Wortmuster sowie die Sprache der Wörter bekannt sind und Sinn ergeben. Sie können es drehen und wenden, wie Sie wollen: Grundsätzlich lässt sich Normalschrift schneller und einfacher lesen.
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Versalien und Großbuchstaben

In PowerPoint Großbuchstaben einzusetzen sollte daher weitestgehend vermieden werden. Denken Sie daran: Nicht die Augen lesen, sondern das Gehirn. Wenn Sie immer den gleichen Zeilendurchschuss und die gleiche Buchstabenhöhe bei den Versalien verwenden, findet das Auge keinen Halt, denn es tastet sich beim Lesen an der Oberkante der Buchstaben entlang.

Die Nachteile von Versalien:

Versalien haben den klaren Nachteil, dass der Leser mehr Zeit für das Textverständnis benötigt. In der Regel ist das regelmäßige Schriftbild schlechter lesbar. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie dieses für ganze Sätze und Textpassagen einsetzen.

  • schlechtere Lesbarkeit
  • gestörter Lesefluss durch ungewohnte Schreibweise
  • werbliche Wirkung
  • wirkt marktschreierisch
  • erweckt Assoziationen zu „Alarm-Schlagzeilen“

Ausnahme: Folienüberschriften

Folien- oder Kapitelüberschriften stellen einen Sonderfall dar. Sie sollen sich vom übrigen Text absetzen und, sofern sie nur aus wenigen Worten bestehen, ist hier der Lesefluss weniger problematisch. Hinzu kommt, dass jede Neue Folie die Neugier des Publikums weckt und der Titel den Zuhörer mit ins Thema nehmen soll. In diesem Sinne kann die zusätzliche Aufmerksamkeit und der „Schlagzeilencharakter“ der Großschreibweise einen positiven Effekt haben. Doch Achtung: Auch für Überschriften, die in Versalien verfasst sind, gilt, dass sie nicht zu lang werden und sich auf keinen Fall über mehrere Zeilen erstrecken sollten, da sonst die Nachteile dieser Schriftform zu sehr zum Tragen kommen. Das wird besonders dadurch erschwert, dass Großgeschriebene Buchstabend sehr viel Platz in der Zeile einnehmen. Die Verwendung dieser Schreibweise für Überschriften kann Sie also bei der Formulierung Ihrer Titel stark einschränken, weshalb Sie hier die Auffälligkeit der Versalien gegen die Möglichkeit, längere Überschriften zu verfassen, abwägen müssen.


Fazit: Vermeiden Sie in Ihren Präsentationen Versalien und Großbuchstaben in längeren Überschriften und Fließtexten.

Machen Sie es Ihren Lesern nicht unnötig schwer und wählen Sie stattdessen eine elegante, moderne Normalschrift, die das Gehirn schnell verarbeiten kann. Anders verhält es sich bei Dokumenten wie Urkunden, die von der Wirkung der präsenteren Buchstaben profitieren. Hier steht eine schnelle Lesbarkeit nicht so sehr im Vordergrund, weshalb Sie Versalien durchaus verwenden können.
Doch auf PowerPoint-Folien sind Großbuchstaben fehl am Platze, es sei denn es geht um das Einhalten der korrekten Rechtschreibung. Überschriften stellen eine Ausnahme dar, doch auch hier sollte der Einsatz von Großbuchstaben wohl überlegt sein.