Kommunikation ist keine Einbahnstraße: effizient und überzeugend präsentieren im Dialogstil

„Die Verwirklichung des Menschen geschieht im Dialog: in der doppelten Fähigkeit, zu reden und zuzuhören, zu antworten, aber auch darin, sich vom Wort treffen zu lassen. Anders gesagt: Dialog, das meint die Bereitschaft zur Kooperation.“

(August Heinrich Henckel von Donnersmarck, Theologe und Wirtschaftsethiker
 


Die Präsentation: Wenn einer redet und die anderen zuhören…hoffentlich!

„Am Nachmittag steht im Meeting die Präsentation eines Kollegen an – mal wieder. Die wievielte ist das diesen Monat? Die sechste? Die siebte? Und gefühlt waren sie alle gleich. Selbst wenn das Thema interessant und die Präsentation gut erarbeitet war, fiel es manchmal schwer, dabei die Augen offen zu halten. Zu viel einschläfernde Routine. Na, wenigstens sind wir da alle gleich und bei meiner nächsten Präsentation dürfen sich dann die anderen langweilen…“
Ein Gedankengang, der vielen nicht unbekannt sein wird. Und so manch einer fragt sich da: „Muss das denn sein?“ Aber was wäre die Alternative? Auf Präsentationen verzichten? Sie einfach streichen? Vielleicht einfach alle Infos per Mail rumschicken? Nein, das wäre zu umständlich, zu zeitaufwändig und auch zu unverbindlich. Und wo blieben die Kommunikation und das Zwischenmenschliche? Das Nachfragen und Diskutieren? Also doch weiter machen mit den Präsentationen – aber vielleicht kann man die ja anders gestalten? Ja, kann man.
 


Präsentieren heute – wie sind die Anforderungen?

Obwohl viele von uns sie manchmal schon satthaben, sind Präsentationen gefragter denn je. Sie sind einfach ein zu gutes Mittel, um unmittelbar und in kurzer und prägnanter Form zu vermitteln, zu überzeugen und zu veranschaulichen. Und je mehr sich das Medium Präsentation verbreitet, desto komplexer werden auch die Anforderungen. Damit, einige Textbausteine in die PowerPoint-Präsentation einzugeben und den passenden Text „herunterzuleiern“, ist es heute nicht mehr getan, wenn die Präsentation gut ankommen soll.
Man braucht Zielgruppenrelevanz, Bilder, Storytelling, rhetorisches Können, ein geeignetes Design und noch vieles mehr. Das Präsentieren ist zur Wissenschaft geworden, die Präsentation zum Infotainment und der Referent ein Stück weit zum Entertainer. Eins ist dabei aber meist gleichgeblieben: die Rolle des Publikums, das das ganze mehr oder weniger passiv „über sich ergehen lässt“. Aus dieser Erkenntnis erwächst ein Ansatz, der die Idee des Präsentierens noch einmal grundlegend verändert…
 


dialog präsentation

Präsentieren geht auch anders: Dialog statt Monolog

Wir alle kennen die Erfahrung, dass unser Geist immer dann besonders wach und aufmerksam ist, wenn er gefordert wird. Bei passiven Tätigkeiten, wie etwa beim Verfolgen eines längeren Monologes, neigen wir hingegen zum gedanklichen Abdriften. In vielen Präsentation lässt sich dieser Effekt gut beobachten: zu Beginn sind noch alle mit Interesse dabei, dann werden die Blicke aufs Smartphone, auf die Uhr oder aus dem Fenster häufiger.
Am Ende aber, wenn es zum Frageteil kommt, sind meist alle Beteiligten wieder voll da. Interaktion und Beteiligung wirken also aktivierend, das bestätigt auch die Lernforschung. Warum diesen Effekt also nicht auch in der Präsentation nutzen? Genau das tut die dialogorientierte Präsentation. Hier wird der Vortrag interaktiv gestaltet. Das Publikum ist aktiv beteiligt. Die Präsentation wird zum dynamischen Prozess zwischen Referent und Zuhörern.
 


Wie funktioniert die Präsentation als Dialog?

Der Erfolg vieler Präsentationen scheitert daran, dass Vortrag und Zielgruppe nicht genau ineinandergreifen. Das kann trotz guter Vorbereitung und Planung passieren, denn der Publikumsfaktor lässt sich nie ultimativ vorhersehen. Deshalb setzt das Konzept der Dialogpräsentation bereits an, bevor die Präsentation überhaupt begonnen hat. Sie ist von Grund auf so konzipiert, dass sie einen flexiblen Verlauf nehmen kann. Während sich der Referent in einer Monolog-Präsentation linear von Folie zu Folie bewegt, wird bei der Dialogpräsentation flexibel das jeweils Passende herausgegriffen.
Welchen Verlauf die Präsentation nimmt, entscheidet sich erst, wenn sie bereits läuft. So kann beispielsweise schon der Einstieg in eine solche Präsentation darin bestehen, das Publikum nach Interessenschwerpunkten, zu lösenden Problemen oder aktuellen Anliegen zu fragen, um sich dann am Bedarf zu orientieren. Dieses Prinzip zieht sich durch die gesamte Präsentation. Sie baut auf gegenseitigem Fragen, dem Teilen von Ansichten und Meinungen und Diskussionsmöglichkeiten auf.
 


Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten zum Dialogaufbau:

 

  • Einstiegsfragen stellen:
    Was erhoffen Sie sich von dieser Präsentation? Was möchten Sie erfahren? Welche Aspekte des Themas sind für Sie besonders relevant/interessant?
  • Vergewissern und Rückfragen stellen:
    Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Sehen Sie das genauso? Wenn Sie XY sagen, was meinen Sie dann genau?
  • Verständnisfragen klären:
    Hilft Ihnen das weiter? Ist das für Sie nachvollziehbar?
  • Einschätzung/Meinung erbitten:
    Halten Sie das für sinnvoll? Was glauben Sie, wie die Marktlage sich entwickelt?
  • Beschreibungen erfragen:
    Wie sind die Abläufe bei Ihnen? Welche Probleme treten auf?
  • Abstimmungen/Umfragen (z.B. durch Handzeichen):
    Wie viele von Ihnen kennen das Problem XY? Wer hat schon einmal nach dieser Methode/mit dieser Technik gearbeitet?
  • Das Publikum zu Fragen/Anmerkungen ermuntern:
    Melden Sie sich, wenn etwas unklar ist oder wenn Sie etwas einwenden möchten! Sie dürfen gern zwischendurch Fragen stellen!

 


Was können Dialog Präsentationen – und was nicht?

Ein dialogorientiertes Vorgehen mag für viele Referenten beängstigend klingen. Und auch potenzielle Zuhörer fragen sich vielleicht, ob auf diese Weise ein Thema überhaupt noch effizient vermittelt werden kann. Die Unsicherheiten erscheinen groß: Bedeutet die offene Struktur nicht auch ein Durcheinander? Was, wenn ein wichtiger Punkt dabei vergessen wird? Wie bereitet man sich als Referent auf einen unklaren Ablauf vor?
Aber fragen wir einmal anders: Wie effizient kann eine Präsentation sein, die ohnehin kaum jemand durchgehend aufmerksam verfolgt und die vielleicht obendrein am Publikumsinteresse vorbei geht?
Zugegeben, die dialogorientierte Situation ist etwas ungewohnt und kann für beide Seiten eine Herausforderungen sein. Aber genau das ist ja der entscheidende Vorteil dieser Art der Präsentation. Es ist echte Aufmerksamkeit gefragt, akute Interessen stehen im Mittelpunkt und ein gewinnbringender Austausch wird dadurch erst ermöglicht. Perfekt ist auch diese Form des Präsentierens natürlich trotzdem nicht.


Hier die Vor- und Nachteile im Überblick:

 

Die Vorteile eine dialogorientierten PPT-Präsentation:

  • sehr passgenaue, flexible Anpassung an die Zielgruppe möglich

  • sorgt automatisch für Aufmerksamkeit und Interesse

  • intensivere und individuellere Auseinandersetzung mit den Inhalten möglich

  • fokussierte Herangehensweise spart Zeit

  • Interaktion sorgt für Gemeinschaftsgefühl

  • es gibt kein Skript, in dem man sich verheddern kann

  •  Einwände oder Kritik kommen nicht erst am Ende zur Sprache, deshalb kann besser darauf eingegangen werden

 

mögliche Nachteile:

  • erfordert etwas Mut und Spontanität

  • intensive Vorbereitung nötig

  • es gibt kein lineares Skript, an das man sich als Referent halten kann

  • unklarer Ablauf kann (muss aber nicht) irritierend wirken

 


dialog präsentation

Dialog oder Monolog? Wann eignet sich was?

Hier ist zunächst einmal ganz klar zu sagen, dass die Monologform und die Dialogform der Präsentation nicht im Widerspruch zueinander stehen und sich nicht automatisch ausschließen.
Die Möglichkeit einer dialogorientierten Präsentation macht die klassische Präsentation auch nicht notwendigerweise zur schlechteren oder überflüssigen Variante. Auch ein Monolog kann überaus interessant und treffend gestaltet sein und die Zuhörer in seinen Bann ziehen. Und in manchen Kontexten kann er durchaus die bessere Wahl sein – beispielsweise, wenn es auf eine klare Argumentationsstruktur ankommt.
Grundsätzlich aber sind ohnehin beide Formen offen und miteinander kombinierbar. Eine Präsentation kann also durchaus in Teilen aus beidem bestehen. Die Möglichkeit des souveränen Umgangs mit beiden Formen kann sogar ein großer Vorteil sein, wenn sich während eines Vortrags zeigt, dass eine Variante besser funktioniert als die andere.
In vielen Kontexten, insbesondere im geschäftlichen Umfeld, bietet die Dialogpräsentation aber in der Regel enorme Vorteile und sollte in jedem Fall in Betracht gezogen werden.
 


Eine dialogorientierte Präsentation ist besonders dann vorteilhaft, wenn…

…die Schwerpunkte und Interessen der Zielgruppe sich nicht genau vorhersehen lassen.


…auf individuelle Problematiken und Lösungsansätze eingegangen werden soll.


…das Thema besonders vielschichtig ist, bzw. verschiedene Herangehensweisen ermöglicht.


…die Zielgruppe nicht homogen ist und die Aufbereitung des Themas variabel sein muss.


…es auf gezielte Informationsvermittlung ankommt.
 


dialog präsentation

Was braucht es für eine gute dialogorientierte Präsentation?

 

Offene Gestaltung

Wer eine Präsentation dialogorientiert führen möchte, muss sie entsprechend gestalten. Hier ist zugegebenermaßen ein gewisser Aufwand erforderlich. Die Präsentation muss so erstellt werden, dass bequem und spontan „Sprünge“ gemacht werden können, ohne dass der Gesamtzusammenhang verloren geht. Materialien, Bilder, Verlinkungen – alles muss für den Fall der Fälle greifbar sein. Eine Struktur soll zwar vorhanden sein, aber sie muss auch flexibel sein.
Der Vorteil: Das macht zwar Arbeit, aber es kann auch Arbeit sparen. Gerade wenn ein Vortragsthema vor unterschiedlichem Publikum immer wieder abgehandelt wird, wird normalerweise dazu geraten, die Präsentation nicht zu „recyclen“, sondern immer neu an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen. Bei einer offenen Gestaltung fällt dieser Aufwand natürlich weit geringer aus, da die Bedürfnisse der Zielgruppe ohnehin nicht vollständig festgelegt sind.
 


Intensive Vorbereitung

Referenten sollten sich in ihrem Thema und in ihrer Präsentation auskennen und sich routiniert hindurch navigieren können. Da nicht nach einem linearen Skript vorgegangen wird, muss es möglich sein, spontan an einer beliebigen Stelle einzusteigen.
Wer sich ohne Notizen zu unsicher fühlt, kann diese übrigens auch in Dialog Präsentationen nutzen. Sie sollten dann allerdings sehr übersichtlich organisiert sein, denn umständliches Suchen in den Aufzeichnungen wirkt zerstreut und wenig souverän.
 


Storytelling

Auch beim dialogorientierten Vorgehen kommt es auf eine lebendige, packende Vermittlung von Inhalten an. Ein durchgehendes Storytelling kann sich natürlich beim offenen Verlauf als schwierig erweisen. Dennoch lassen sich Anekdoten, Bilder, Videos und andere gestalterische Mittel so verwenden, das ein emotional animierendes Design entsteht. Eine einheitliche Gestaltungsweise ist hier besonders essenziell, um die zusammenhängende Struktur trotz des offenen Aufbaus zu verdeutlichen.
 


Mut zur Herausforderung

Gerade unsichere Redner bekommen vermutlich schon beim Gedanken an Dialog Präsentationen Schweißausbrüche. Schließlich sind es gerade die detaillierte Vorbereitung und der klare Ablauf, die Sicherheit bieten können. Aber es kann sich lohnen, die Herausforderung anzunehmen. Besonders gute Vorbereitung hilft gerade auch hier und die anderen Ängste erledigen sich erfahrungsgemäß häufig von selbst.
Im Nachhinein entpuppt sich die vermeintliche Schwierigkeit manchmal nämlich sogar als Erleichterung, wenn Redner feststellen, dass sie in ihrem Vortrag nicht mehr allein vor einem schweigenden Publikum stehen, sondern sich in einer viel natürlicheren Gesprächssituation mit wirklich interessierten Zuhörern wiederfinden.
 


Nähe zum Publikum

Die besondere Vortragssituation sollte auch räumlich zum Ausdruck kommen und verdeutlichen, dass Redner und Publikum sich hier auf einer Ebene befinden. Damit die Zuschauer die Situation wirklich als offenen Dialog empfinden, sollte sie keine Barriere vom Redner trennen. Ein Pult, ein großer Abstand oder eine hohe Bühne können kontraproduktiv sein. In einem kleineren Raum mit nicht allzu viel Publikum ist das meist kein Problem.
In einem großen Raum oder sogar Saal, sollten Referenten darauf achten, trotzt der räumlichen Gegebenheiten ein Gefühl der Nähe zu erzeugen. Ein Pult sollte möglichst nicht genutzt werden. Ist eine Bühne vorhanden, sollte der Redner dort auf die Leute zugehen und sie, wenn möglich, ruhig auch ab und an verlassen, um auf der gleichen Ebene zu sein. Auch hinknien, sich auf den Bühnenrand setzen oder ähnliches ist möglich. Im Gespräch lässt sich durch interessiertes Rückfragen und Eingehen auf das Gesagte gefühlte Nähe generieren.
 


Vorbereitung auf Probleme

Besonders in der Dialog Präsentation sollten Referenten auf Planabweichungen und Probleme vorbereitet sein und darauf reagieren können. Es kann beispielsweise sein, dass man es mit einem sehr schweigsamen, zurückhaltenden Publikum zu tun bekommt. Dann kann es notwendig sein, mit offener Freundlichkeit zu animieren, um das Eis zu brechen – oder aber doch vermehrt auf den Monolog zu setzen.
Eine andere Möglichkeit: sehr vorlaute Teilnehmer reißen die Wortführung an sich und der Rest – vielleicht sogar der Referent – kommt nicht mehr zu Wort. Freundliches, aber bestimmtes Gegenlenken kann hier gefragt sein.
Es gibt letztlich eine Vielzahl von möglichen Unstimmigkeiten und nicht auf alle kann man wirklich vorbereitet sein. Dabei gilt generell: immer ruhig, freundlich und respektvoll bleiben, aber auch das Ruder nicht aus der Hand geben. Ja, es ist ein Dialog, aber er wird immer noch vom Referenten geleitet.
 


Vorbereitung auf Kritik

Dieser Punkt gilt für jede Präsentation, für eine dialogorientierte aber umso mehr. Wird eine Präsentation als Monolog gehalten, Fragen erst im Anschluss zugelassen und vielleicht deren Anzahl oder Zeitrahmen auch noch limitiert, dann lässt sich damit viel Kritik umgehen.
Der Dialog hingegen lässt auch dafür viel mehr Raum und mögliche Einwände zu antizipieren ist entsprechend wichtig. Das ist aber nicht unbedingt als Nachteil zu sehen. Auch wenn es für den Referenten zunächst unangenehmer sein kann, wird ein Publikum, das zu Wort kommen durfte und gehört wurde, am Ende zufriedener sein.
 


Ansprechendes Design der Präsentation

Der Dialog ist von sich aus interessanter für das Publikum als ein Monolog, dennoch sollte im Präsentationsdesign nicht an einer ansprechenden Gestaltung gespart werden. Einheitlichkeit und Übersichtlichkeit sind hier besonders wichtig, da weniger strukturiert gearbeitet wird. Auch in der Präsentationsgestaltung kommen und gehen die Trends.
Waren vor wenigen Jahren noch 3D-Effekte das ultimative Gestaltungselement, setzt man mittlerweile wieder auf die einfache, flache Darstellung im Flat Design. Dazu kommen Morph-Effekte, Animationen und Videos. All das kann man nutzen – muss man aber nicht. Wichtiger als im Trend zu liegen, ist immer eine ansprechende, treffende Gestaltung der Inhalte, mit der Referent und Publikum gut zurechtkommen.
 


Geschickte Gesprächsführung

Redner finden sich hier in einer veränderten Rolle wieder, denn es ist verstärkt nicht nur der Redner, sondern auch der Mensch gefragt. Dialog bedeutet eben nicht nur reden, sondern auch zuhören, nachfragen, auf etwas eingehen und vielleicht auch manchmal auf etwas gar nicht eingehen können. Dialog erfordert Interaktion und Interaktion erfordert Kommunikation. Das ist aber weit weniger schwierig als es klingt, denn eigentlich ist es genau das, was wir ohnehin im alltäglichen Miteinander tun.
Sehr essenziell dabei ist ein respektvoller Umgang. Eine dialoggeführte Präsentation ist nur sinnvoll, wenn sich das Publikum dabei als Kommunikationspartner ernst genommen und anerkannt fühlt. Dennoch muss der Redner dem Gespräch einen effizienten Verlauf geben können.
Referenten können dabei mit verschiedenen Techniken der Gesprächsführung arbeiten:

  • Paraphrasieren, wiederholen und spiegeln:
    Was ein Zuhörer sagt, wird in gleichen oder eigenen Worten noch einmal wiederholt. Das dient der Klärung und ist vor größerem Publikum nützlich, damit alle dem Gespräch folgen können. Bsp.: „Sie meinen also, das Produkt eignet sich nicht für diese Anwendung, richtig?“
    Auch Haltung, Intonation, Mimik oder Gestik können an den Gesprächspartner angepasst werden, um Übereinstimmung zu signalisieren. Bsp.: Ein Lächeln wird mit einem Lächeln erwidert.
  • Verbalisierung:
    Unausgesprochene Inhalte des Gegenübers werden ausgesprochen. Auch das bringt Klärung und zeugt von Verständnis. Bsp.: „Es hat Sie sicher genervt, dass das nicht funktioniert hat.“
  • Gegenüberstellende Strukturierung:
    Aussagen werden strukturiert wiederholt und mit anderen Aspekten verglichen. Eine Technik, die sich gut eignet, um Kritik und Einwände anzunehmen, sie aber gleichzeitig zu relativieren. Bsp.: „Es kann natürlich sein, dass es in Einzelfällen zu Problemen mit dem Produkt kommt, statistisch betrachtet ist es aber sehr sicher. Ich kann Ihnen dazu ein paar Zahlen zeigen.“
  • Rekapitulieren und Erden:
    Ein Aspekt wird aufgegriffen, um ihn zu vertiefen oder das Gespräch auf etwas anderes zu lenken. Dies kann unter anderem nützlich sein, um einen abdriftenden Wortbeitrag wieder auf das Hier und Jetzt zu beziehen, ohne ihn zu übergehen. Bsp.: „Sie haben also in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dieser Technik gemacht. Welche Anforderungen stellen Sie deshalb heute an ein Produkt?“, oder: „Sie haben gerade erwähnt, dass Ihnen dieser Aspekt besondere Probleme bereitet. Darüber würde ich gern mehr erfahren.“

 


Fingerspitzengefühl

Wo immer man in einen Dialog tritt, lauern auch die üblichen Fallstricke der Kommunikation: Missverständnisse, Fettnäpfchen, falsche Einschätzungen –vieles kann für Irritationen und Probleme sorgen. Das ist im menschlichen Miteinander normal und tritt auch bei Präsentationen im Monologstil auf. Im Dialog ist die Gefahr allerdings größer, da die Kommunikation direkter ist und nicht nach „Schema F“ abläuft. Etwas Fingerspitzengefühl kann also nicht schaden.
Das gilt insbesondere für Fragen, die Referenten an das Publikum stellen. Sie können schnell als unpassend, zu vertraulich, nicht beantwortbar oder zu offensichtlich beantwortbar verstanden werden. Referenten sollten außerdem darauf achten, dass sie trotz der größeren Nähe zum Publikum auf einer professionellen Ebene bleiben und nicht zu persönlich werden.
 


Richtung und Ziel

Auch wenn Struktur und Verlauf offen gehandhabt werden, geht es immer noch um die Vermittlung von Inhalten. Das Publikum darf nicht das Gefühl bekommen, durch seine Beteiligung einfach nur die Redezeit des Referenten zu füllen. Der Dialog muss also fokussiert geführt werden und wirklich dazu dienen, Inhalte gezielt zu wählen und zu transportieren. Ein Abdriften in fruchtlose Diskussionen oder irrelevantes „Geplauder“ wäre Zeitverschwendung und sollte vermieden werden.
Sehr hilfreich kann hier Visualisierung sein. Wer beispielsweise mit der Frage nach den Interessen des Publikums einsteigt, kann die genannten Punkte auf Flipchart oder Tafel notieren, während der Präsentation darauf Bezug nehmen und die Punkte abhaken. So wird nichts vergessen oder übergangen und der Vortrag wird für die Zuhörer nachvollziehbarer.
 


Übung

Der Dialogvortrag folgt einer anderen Herangehensweise als übliche Vorträge und auch der Umgang mit der Technik ist etwas anders. Der exakte Ablauf ist kaum planbar und Redner sollten das ungewohnte Vorgehen üben, um souverän agieren zu können. Dazu gehört Vertrautheit mit den eigenen Inhalten, das Wissen, was wo in der Präsentation zu finden ist und wie es aufgerufen wird.
Da Dialog und Monolog durchaus kompatibel sind, muss der Einstieg nicht unbedingt von 0 auf 100 erfolgen. Es ist gut möglich, zur Übung erst einmal nur Teile einer Präsentation im Dialog zu führen.
 


Grundprinzipien

Ob Monolog oder Dialog spielt letztlich keine Rolle, wenn die Grundlegende Gestaltung der Präsentation misslingt. Referenten sollten sich deshalb hier genauso an die üblichen Grundprinzipien für das Erstellen einer Präsentation halten:

  • Inhalte strukturieren

  • Kernaussagen formulieren und Mehrwert hervorheben

  • Folien nicht (mit Text) überladen

  • Beschränkung auf wesentliche, relevante Punkte

 


Und was ist mit der Technik?

Mit dem linearen Durcharbeiten vorbereiteter Folien sind Referenten vertraut. Auch Grafiken, Videos und Effekte sind mittlerweile gut bekannt und meist kein Problem. Wenn es um die struktur-offene, nicht lineare Gestaltung eines Dialogvortrags geht, stellt sich aber noch häufig die Frage nach der Technik. Wie lassen sich die Anforderungen technisch umsetzen? Welche Möglichkeiten bietet die Software?
Präsentationssoftware lässt sich mit ein paar Tricks auch für dialogorientierte Präsentationen gut anwenden. Verlinkungen ermöglichen es beispielsweise, zwischen einzelnen Folien zu navigieren. Auch die Möglichkeit Folien auszublenden ist hilfreich. So können Folien bei Bedarf genutzt werden, ohne dass beim Publikum das Gefühl entsteht, dass Inhalte übersprungen werden. Insbesondere Infografiken erweisen sich für die Erarbeitung komplexer Zusammenhänge in Dialogpräsentationen häufig als nützlich. Mit einer Zoom-Funktion lassen sich Folienübersichten erstellen, aus denen Inhalte beliebig herangezoomt werden können. Damit ist auch ein nicht-lineares Arbeiten bequem möglich.
Ein in diesem Zusammenhang häufig genanntes Tool ist Prezi. Aber auch mit PowerPoint 365 lassen sich solche Strukturen gut und mit ein wenig Know-how erstellen. Nutzer müssen also nicht auf spezielle Programme umsteigen. Auch technisch ist der Weg vom Monolog in den Dialog damit kein Problem.
 


dialog präsentation

Präsentieren als Dialog: Mut zum Miteinander

Der Dialogvortrag bietet zahlreiche Vorteile und entspricht den Anforderungen, die heute an Präsentationen gestellt werden. Die Umsetzung ist bei weitem nicht so schwierig, wie man vielleicht glauben möchte und mit einer gängigen Software wie PowerPoint 365 auch technisch gut machbar.
Warum also ist das Präsentieren in Dialogform noch immer so selten anzutreffen? Vielleicht fehlt einfach der Mut, vom Gewohnten und Bekannten abzuweichen – obwohl es ja genau das ist, was bei Präsentationen gern mal für dieses „Schon-wieder-Gefühl“ sorgt. Warum also nicht einfach mal neue Wege gehen und eine andere Präsentationsform probieren?
Das könnte dazu beitragen, dass wir alle bald wieder mehr Interesse und Freude an Präsentationen haben. Etwas, das für beide Seiten gilt, denn sowohl Publikum als auch Referenten können dabei feststellen, dass sie es hier eigentlich nicht mit einem Novum, sondern mit einem der natürlichsten Vorgänge der Welt zu tun haben: dem miteinander reden.