Und schon wieder ist Ihnen das verpönte Wörtchen „äh“ herausgerutscht. Gerade am Anfang einer Rede klingt dieses oder ähnliche Füllwörter ziemlich unsicher und nicht unbedingt professionell. Fast schon so, als hätten Sie sich mit Ihrem Vortrag nicht ausreichend beschäftigt.
Gering integrierte Verzögerungslaute wie „äh“, „ähm“ oder „also“ können den Zuhörern mitunter helfen, das Gesagte besser zu verarbeiten. Werden die Sätze hingegen zu oft mit diesen sogenannten Krücken gespickt, lenken sie von der eigentlichen Botschaft ab. Im gleichen Atemzug wird die Glaubwürdigkeit des Inhalts verringert.
Es gibt Menschen, die können völlig unbeschwert frei weg von der Leber sprechen. Doch nicht jedem Sprecher wurde dieses Talent in die Wiege gelegt. Stattdessen nimmt der Puls richtig an Fahrt auf und feuchte Hände gibt es gratis dazu. Damit die Wörter nicht sprichwörtlich im Halse stecken bleiben, kann eine exzellente Vorbereitung auf den Vortrag wahre Wunder bewirken. Das Lampenfieber wird in null Komma nichts verschwinden und die Versagensangst wird um ein Vielfaches minimiert.
Experten aus der verhaltenswissenschaftlichen Forschung haben sich einmal die Mühe gemacht, die Wirkung von Füllwörtern genauer zu erkunden. Wie sehr beeinträchtigt eine nicht flüssige Sprechweise den Referenten und wie kann man Füllwörter in einem Vortrag vermeiden?
 


Welche Nachteile hat man bei der Anwendung von Füllwörtern zu erwarten?

Flüssig reden ist gar nicht so einfach, wie man es vielleicht vermuten mag. Ob in der Schule, im Hörsaal, bei Meetings im Büro oder während Präsentationen in Seminaren, nahezu überall wird viel gesprochen. Die größte Schwierigkeit dabei ist, die Zuhörer mit seinem Beitrag zu fesseln.
Zu viele Füllwörter im Vortrag schwächen die Nachrichten, die eigentlich zur Weiterleitung an das Publikum vorgesehen sind. Mitunter entstehen sogar Unklarheiten und Verwirrung. Nimmt die Häufigkeit an Füllwörtern in einer Präsentation übermäßig zu, dann wirkt sich dies im Gesamten negativ auf die Rede aus.
 

  • Es wird schwerer eine klare und deutliche Botschaft zu vermitteln.

  • Bemerkenswerte Forschungsergebnisse oder wegweisende Fortschritte verlieren an Bedeutung und gehen beim Füllwörter-Vortrag nahezu unter.

  • Die emotionale Komponente des Vortrags geht für die Zuhörer verloren.

  • Das Publikum wird unruhig und schaltet schneller ab.

  • Das Desinteresse steigt und die Zuhörer sehen sich nicht mehr gewillt, die wichtigsten Aussagen aus der Füllwörter-Präsentation herauszufiltern.

  • Der Redner wirkt nicht kompetent oder authentisch und kann das Publikum nicht mitreißen.

  • Es fehlt an Natürlichkeit und Lockerheit.

  • Die Zuhörer empfinden den Moderator als nervös, nicht bei der Sache oder im schlimmsten Fall sogar als abgehoben.

 
Wenden sich die Anwesenden gedanklich lieber einfachen kognitiven Aufgaben, wie der heimischen To-do-Liste zu, dann ist der Redebeitrag gehörig in die Hose gegangen. Doch Verzögerungen lassen sich zum Glück auch in Stärken umwandeln. Wie das aussieht, zeigen wir Ihnen im nachfolgenden Absatz.
 


Pause machen kann sich lohnen

Nicht immer sprechen wir wie am laufenden Band. Forscher haben herausgefunden, dass Pausen in Unterhaltungen sehr oft vorkommen. Dabei wird in drei Kategorien unterschieden. Eine kurze, mittlere und lange Unterbrechung. Die kurze dauert 0,2 Sekunden, die mittlere immerhin 0,6 Sekunden und die lange steigt über eine Sekunde. Richtig gute Redner sind in der Lage, zwei bis drei Sekunden am Stück zu schweigen. Wenn es sein muss, sogar noch länger.
Allerdings können sich nicht alle Moderatoren und Redner mit diesem Aspekt anfreunden. Hält man auf der Bühne für einen kurzen Augenblick inne, dann fühlt sich diese Stille fast schon unendlich an. Woran liegt das? Dafür gibt es eine ganz simple Erklärung: Wir denken schneller, als wir sprechen. Im Durchschnitt gibt ein Erwachsener 150 Wörter pro Minute von sich. Es liegen noch andere Studien vor wie von der Universität Missouri, die aufzeigen, dass Menschen sogar 400 Wörter pro Minute durch den Kopf schießen.
Selbst von 1.500 Wörtern pro Minute ist die Rede. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wird eine Rede gehalten, dann fühlt sich dieser Akt verzerrt an. Dem Redner kommt es wie eine halbe Ewigkeit vor. Für das Publikum hingegen waren es nur ein paar Sekunden.
Wenn Sie also in der Lage sind Pausen geschickt zu platzieren, dann wirkt sich dieser Aspekt sehr positiv auf Ihre Rede und Ihre Persönlichkeit aus.
Verspüren Sie für einen kurzen Moment eine Unsicherheit, dann hilft Ihnen die kurze Formulierungsbrücke Ihre Gedanken zu sammeln und den verloren gegangen Faden wiederzufinden. Auch das Publikum wird diese minimale Auszeit nicht als störend empfinden, es sei denn, der Pausenfüller hält mehr als fünf Sekunden an.
Kleine Kunstpausen beruhigen darüber hinaus die Nerven. Gerade, wenn Ihnen das Herz bis zum Hals schlägt und das flüssig Vortragen zu einer Qual ausarten will, bauen Sie unauffällig einen kleinen Cliffhanger ein. Nutzen Sie die gewonnene Zeit, um einmal kräftig tief ein- und auszuatmen. Dank dieser defensiven Taktik finden Sie viel schneller wieder zu sich selbst.
Strategisch platzierte Gedankenleerläufe erzeugen interessante Spannungsbögen. Schaffen Sie es einen Punkt explizit herauszuheben, dann wecken Sie beim Publikum Neugierde. Zugleich benötigt der Zuhörer ein wenig Zeit, um das Gesagte sacken zu lassen. Vielleicht kann Ihr Gegenüber sogar wichtige Erkenntnisse dadurch besser aufnehmen.
Halten wir also fest, Pausen und eine geringe Anzahl an Füllwörtern lässt den Redner grundsätzlich kontrolliert erscheinen. Während zu viel davon eher das Gegenteil bewirkt. Sie machen stattdessen den Eindruck, als wüssten Sie nicht wirklich, worüber Sie sprechen.
 


Wie können Verlegenheitslaute vermieden werden?

Es gibt tatsächlich Mittel und Wege, wie Sie die unliebsamen Ähs und Öhs ein wenig in die Schranken verweisen können. Im ersten Schritt sollte eine genaue sprachliche Analyse durchgeführt werden. Welche und wie oft werden Füllwörter tatsächlich verwendet? Um der Sache genauer auf den Grund gehen zu können, wäre es eine Alternative, sich selbst beim flüssig reden aufzunehmen. Entweder in Form eines Videos oder in Form von Telefongespräch-Mitschnitten.
Umso länger die Unterhaltung, desto mehr Input können Sie von dieser Methode erwarten. Aber auch Freunde, Kollegen oder die Familie können bei der Spurensuche nach Krückenwörtern sehr behilflich sein. Bauen Sie kleine Handlungen in diesen Prozess ein. Wenn Sie sich wieder einmal beim Aussprechen von „äh“ erwischen, dann klopfen Sie auf Ihr Bein. Optional kann ein Freund oder Kollege durch Händeklatschen oder Fingerschnipsen Sie auf die Gewohnheit hinweisen.
Wird Ihnen bewusst, dass Sie gerade im Begriff sind auf Füllwörter zurückzugreifen, dann Schweigen Sie für einen Augenblick. Von jetzt auf gleich wird die Veränderung nicht sofort greifen, aber nach einer gewissen Übungsphase werden sich die ersten Erfolge zeigen.
Ein weiterer Lösungsansatz könnte die Verwendung kürzerer Sätze sein. Wer auf komplizierte Haupt- und Nebensätze zurückgreift, der wird mitunter von der chaotischen Struktur regelrecht zu Füllwörtern verleitet. Überarbeiten Sie verschachtelte Sätze und vertrauen Sie stattdessen auf kurze sowie prägnante Aussagen. Das flüssig Vortragen geht mit dieser Methode viel leichter von der Hand.


Fazit

Abschließend kann festgehalten werden, dass Füllwörter in geringer Dosis völlig okay sind. Sie verschaffen dem Redner nicht nur praktische Denkpausen, sondern auch die Zuhörer können das Gesagte besser verdauen. Gewinnen die Krückenwörter allerdings die Oberhand und werden sie zu einer echten Marotte, dann müssen Sie etwas dagegen unternehmen.
Zu viele Verzögerungs- und Verlegenheitslaute können die Nerven des Publikums extrem belasten. Die überflüssige Einführung von Sprachparasiten führt zweifelsohne auch zu Irritationen. Der Vortragende macht mit dem Gebrauch von Diskurspartikeln keinen souveränen Eindruck. Füllwörter reduzieren die Verständlichkeit des Inhaltes und das Umfeld nimmt den Moderator weniger ernst. Mit einer Video- oder Audioaufnahme kommen Sie den Übeltätern gezielt auf die Schliche.
Spitzen Sie bei den Aufzeichnungen die Ohren und analysieren Sie Ihr eigenes Kommunikationsverhalten und Ihre Sprache. Am besten proben Sie vorher Ihre Präsentation, Rede oder Vortrag vor einem kleinen Publikum. Arbeiten Sie mit kurzen und klaren Sätzen. Auch eine angemessene Redegeschwindigkeit kann Wunder bewirken. Und falls Sie doch auf Füllwörter zurückgreifen, dann gehen Sie effektiv und sparsam damit um.